Noch immer präsent ist der Schriftsteller Frank Wedekind, dessen Werke noch häufig an Theatern gespielt oder verfilmt werden, obwohl der Künstler seit bereits über 90 Jahren tot ist. Der Mann hat nicht nur einen exzentrischen Vornamen, sondern führte auch ein bewegtes Leben.
Leben und Werk
1864 wurde in Hannover ein Junge namens Benjamin Franklin Wedekind geboren. Der Name rührt wohl daher, dass seine Eltern einige Zeit in der Neuen Welt verbracht hatten. Der Vater, Friedrich Wilhelm Wedekind, war Gynäkologe und ging in den 1840er Jahren nach Amerika, um vom Goldrausch in Kalifornien zu profitieren. Was er auch tat, allerdings nicht als Goldwäscher, sondern als Grundstücksspekulant. Während dieses Aufenthaltes heiratete er in San Francisco auch Emilie Kammerer, deren Vater die Streichhölzer erfunden hatte. Während diese bereits mit ihrem späteren berühmten zweiten Sohne Benjamin Franklin schwanger war (einen älteren Bruder gab es und Benjamin Franklin folgten noch drei weitere Kinder), ging man zurück in die Alte Welt. Die Familie erwarb das Schloss Lenzburg im Schweizer Kanton Aargau, wo Benjamin Franklin eine friedliche Kindheit verbrachte. Bereits als Jugendlicher betätigte er sich als Schriftsteller, und zwar nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern bereits in Netzwerken. Nach der Matura begann er in Lausanne das Studium zunächst der Literatur und später in München jenes der Juristerei, brachte allerdings keines davon jemals zu Ende. Stattdessen begann er seine berufliche Laufbahn als Werbetexter für Maggi und als Journalist. Auch ein zweiter Anlauf einer juristischen Laufbahn wurde nicht bis zum Ende durchgezogen: sein Vater starb und hinterließ seinem Sohne genügend Geld, um ihm ein Leben in finanzieller Unabhängigkeit zu ermöglichen, so dass er sich nur noch ausschließlich der Kunst zu widmen vermochte. In München und Paris betätigte er sich als Satiriker und Kabarettist und brachte die Zeitschrift „Simplicissimus“ heraus.
Hinterlassenschaften
Auf Grund einer majestätsbeleidigenden Satire, die auf Kaiser Wilhelm II. abzielte, musste Wedekind 1899 für ein halbes Jahr in Festungshaft, nachdem er zuvor nach Paris geflüchtet war. Thema seiner Werke war nicht selten die bürgerliche Moral, die er angriff und erschütterte. Eines der berühmtesten und noch heute meist gelesenen Werke in dieser Hinsicht ist „Frühlings Erwachen“. Wie des Schriftstellers persönliches Frühlingserwachen aussah, weiß man zwar nicht, fest steht jedoch, dass sein Geschlechtsleben auch nicht unbedingt der bürgerlichen Moralvorstellung entspach: von seinen drei Kindern sind zwei von seiner Frau Tilly Newes; das dritte hingegen entstammt einer Affäre mit Frida Strindberg, die mit dem Schriftsteller Augsust Strindberg verheiratet war. Gefördert wurde Wedekind übrigens auch durch den brillianten Grantler Karl Kraus, mit dem ihn eine tiefe Freundschaft verband.